Drehbuch-Blog
Gepostet am von Courtney Meznarich

„Sei nicht überheblich“ und weitere Ratschläge von Drehbuchautor Adam G. Simon

Von Hollywood nach Pakistan haben sich Drehbuchautoren in der ganzen Welt unsere Instagram Story angesehen, um Drehbuchautor Adam G. Simon Fragen darüber zu stellen, wie sie ihre Karriere als Drehbuchautor in Gang bringen können.

„Ich liebe es, etwas beizutragen, da mir nicht wirklich jemand geholfen hat“, sagte er der Autoren-Community. „Ich möchte, dass mehr Menschen Erfolg haben. Ich möchte, dass mehr Menschen Ideen erschaffen. Bevor ich den Durchbruch hatte, hatte ich 150 Dollar Miese auf meinem Konto und eine Tasche voller Drehbücher. Das hat mich in eine Position gebracht, in der es um alles ging. Es wäre schön gewesen, ein paar Ratschläge zu erhalten.“

Und so hat er Ratschläge erteilt! Simon hat ‚Man Down‘ mit Shia LaBeouf geschrieben, gerade ‚Point Blank‘ fertiggestellt, das im Juli 2019 auf Netflix laufen soll, und kürzlich gemeinsam mit Joe Carnahan ‚The Raid‘ abgeschlossen. Sein zweiter Name sollte „Beschäftigt“ heißen. Er hatte zahlreiche Ratschläge zu dem Thema, wie man es in Hollywood schafft. Hier sind einige seiner Antworten von unserer Live-Fragerunde.

Ich habe einen Piloten urheberrechtlich geschützt. Wie kann ich Agenten finden, die Anfänger annehmen?

„Als ich ‚Man Down‘ schrieb, war ich obdachlos. Ich hatte keinen Agenten. Ich hatte keinen Manager. Ich habe einfach nur geschrieben. Ich bin morgens aufgewacht und habe im Internet verschiedene Personen gesucht, die in den Studios in der Akquisitonsabteilung arbeiten. Und ich habe die Studios angerufen und Meetings vereinbart, damit ich vorbeikommen und mit ihnen sprechen kann. So habe ich Man Down verbreitet. Also das wäre dann „Hallo, wie geht es Ihnen. Ich bin Todd Ferguson - eine Anspielung auf den Charakter Turd Ferguson aus SNL (lacht). Ich vertrete Adam Simon, einen Drehbuchautoren, der mehrere Spec Scripts geschrieben hat. Wir würden gerne ein Meeting für ihn vereinbaren, damit er vorbeikommen und mit Ihnen seine Ideen und Projekte besprechen kann.“ Und schließlich habe ich ein paar Leute gefunden, die ja gesagt haben. Und es gab hunderte Neins. Aber ich habe eine Handvoll Jas bekommen und eines davon war von Mpower Pictures und so konnte ‚Man Down‘ realisiert werden.“

Brauche ich einen Agenten? Ich habe das Gefühl, damit fängt alles an.

„Es fängt nicht mit einem Agenten an. Wirklich nicht. Ich habe ohne Agenten und ohne Manager sieben Projekte bekommen. Das habe ich nur meinen eigenen Bemühungen zu verdanken. Ich habe mich präsentiert und mit Menschen gesprochen. Ich habe die Leute genervt und selber Meetings vereinbart. Das, was du brauchst, ist eine großartige Geschichte. Wenn du diese hast, werden sie kommen... Versteife dich nicht auf: Ich brauche einen Agenten. Ich brauche einen Manager. Das brauchst du nicht. Du brauchst gute Arbeit. Leiste gute Arbeit, sei gut, sei sichtbar. Verbreite deine Arbeit auf alle nur möglichen Arten. Du musst ein gutes Produkt haben, aber wirklich, 90 Prozent in diesem Geschäft ist Fleiß. Finde einen Weg, der nicht der Weg ist, von dem dir andere ständig erzählen. Es gibt nicht den einen Weg. Bei jedem, den ich kenne, der es in der Branche geschafft hat, sind es ähnliche, aber auch sehr unterschiedliche Geschichten.“

Wo bekommst du deine Ideen für die Drehbücher her? Wie sorgst du dafür, dass es interessant bleibt und du deine eigene Geschichte nicht satt hast, während du ewig daran arbeitest?

„Es fängt immer mit einem einfachen Konzept, einer einfachen Idee und einer universellen Wahrheit an. Ich höre von Leuten, die immer großartige Ideen haben. Ich höre von diesem Typen, der die Idee hatte, dass Zombies gegen Roboter kämpfen… Aber worum geht es? Man Down handelt zum Beispiel von einem Mann, der versucht, seine Familie wieder zusammenzubringen. John Wick ist die Geschichte eines Mannes, der die Tötung seines Hundes rächt. Also gehe ich immer wieder zu diesem Punkt zurück, damit mir nicht langweilig wird und ich auf Kurs bleibe. Jede Szene, jede Zeile, jeder Moment in deinem Drehbuch bringt dich entweder näher an das Ziel deiner Hauptfigur oder entfernt dich davon. Und wenn du das machst, sorgt das für Spannung. Und bei jedem einzelnen Moment versuche ich, meine Momente in den Drehbüchern im Spannung zu füllen. Ich will nicht einfach nur Seiten füllen. Und was ich mache, damit es interessant bleibt? Nun, ich erstelle Playlists, schaue mir Bücher und Kunst an. Und ich gehe raus und treffe Leute. Ich schaue mir Filme in einem ähnlichen Genre an. Oder ich erschaffe Musik, die in der Welt existieren würde, um die kreative Seite meines Gehirns zu stimulieren.“

Wie viele Drehbücher sollte man parat haben?

„Ich hatte 13 Drehbücher, als ich anfing, mich vorzustellen. Ich habe für James Cameron gearbeitet, als er die Postproduktion von Avatar durchführte. Das war die lohnendste Zeit meines Lebens. Und während dieser Zeit habe ich ständig geschrieben, so dass ich Stapel unterschiedlicher Genres, Ideen und Geschichten hatte, die ich erzählen wollte. Und als ich in die Studios ging, wusste ich vorher schon, nach welchen Geschichten die Leute suchten.

Über Konkurrenz…

„Lasst mich das sagen. Du musst wissen, wie viel Konkurrenz da draußen ist. Das kann ich nicht genug betonen. Das ist sehr, sehr wichtig. Ich habe als Juror bei einer sehr beliebten Seite für Online-Wettbewerbe und Einreichungen im Bereich Drehbuch fungiert. In den ersten 24 Stunden hatten wir über 10.000 Einreichungen. Der Markt ist übersättigt. Jedes Studio hat seine eigenen firmeninternen Autoren. Dann gibt es den Neotismusfaktor, du musst an ihnen vorbei kommen. Dann musst du an den Personen mit Agenten vorbei kommen, die nützliche persönliche Beziehungen haben. Also gibt es nicht den richtigen Weg, es gibt nur deinen Weg. Es gibt ein altes Zitat [von Calvin Coolidge], das ich liebe und ich werde es mir tätowieren lassen. Es lautet:

„Nichts auf der Welt geht über Beharrlichkeit. Talent nicht – es wimmelt von gescheiterten Existenzen mit Talent. Genie nicht – das verkannte Genie wurde zum Begriff. Erziehung nicht – allerorten finden sich gut erzogene Versager. Zielstrebigkeit und Ausdauer alleine verbürgen den Erfolg.Der Slogan Augen zu und durch hat die Probleme der menschlichen Rasse gelöst und wird sie immer lösen.“

Oder wie es Bruce Lee sagt: „Sei Wasser.“ Finde deinen eigenen Weg und die Menschen werden das respektieren.“

Was denkst du über ehrenamtliche Mitarbeit bei Filmfestivals?

„Filmfestivals sind toll, aber nochmal, jegliches Netzwerken muss auf etwas gestützt sein… Es gibt viele Menschen, die sich abmühen, aber nichts haben. Sie sind ewige Netzwerker. Sie gehen zu Seminaren, Meet & Greets, Festivals und zahlen für eine Master Class. Aber sie haben nichts vorzuweisen. Letztendlich musst du gut sein und ein Produkt haben, das du als Autor lieferst. Wenn du Autor sein willst, musst du jeden Tag schreiben.“

Wie verwandle ich eine Idee in ein Drehbuch?

„Es fängt alles mit der Reise an. Wenn du eine Idee im Kopf hast, aber nicht weißt, wo sie hinführen soll, dann stell die Frage warum. Wer? Wie? Was, wenn das passieren würde? Wenn du anfängst, dir selbst diese Fragen zu stellen, entwickelt sich die Geschichte von selbst.“

Empfiehlst du, dass Drehbuchautoren sich in anderen Jobs in der Filmbranche versuchen, um bessere Drehbücher zu schreiben?

„Absolut. Meine Schauspielerei prägt mein Schreiben. Meine Schauspielerei und das Schreiben prägen meine Arbeit als Regisseur. Und nebenbei hilft es dir, ein Gefühl für Menschen zu bekommen. Triff Kameramänner, Stuntleute, Tontechniker, Kameraführer, Komponisten. Beim Filmemachen geht es um Zusammenarbeit. Dein Drehbuch ist eine sich entwickelnde Kreatur. Das Drehbuch, das du in deinem Wahnsinn geschrieben hast... wird nicht dasselbe Drehbuch sein, wenn die Produktion beendet ist.“

Wie kann ich die Formatierung besser verstehen?

„Lies Drehbücher.“

Deine Gedanken zu kollaborativem Schreiben?

„Ich liebe kollaboratives Schreiben. Ich habe ‚The Raid‘ mit Joe Carnahan geschrieben. Es ist toll, weil es nicht um das Ego geht, sondern wir einfach die beste Geschichte erschaffen wollen. Ich habe beim gemeinsamen Schreiben wunderbare Erfahrungen gesammelt, besonders wenn der andere Schreiber kein „Jasager“ war, sondern seine ganz eigenen Ansichten hatte. Du musst Menschen finden, die Meinungen und Ansichten haben.“

Müssen Drehbücher registriert werden?

„Lass deine Drehbücher registrieren. Habe Vereinbarungen vorbereitet. Wenn jemand sagt, dass er eine Idee hat, die du schreiben sollst, sag: „dann brauchen wir eine Vereinbarung.“ Und schreibe den Schriftverkehr und die Vereinbarungen immer so, wie sie vor Gericht vorgelesen werden würden.

Muss ein Drehbuchautor in Hollywood leben?

„Nein, aber die Besten tun das (lacht). Nein, im Ernst. Atlanta, Detroit, New York, viele Leute leben nicht in LA. Wir leben in einem digitalen Zeitalter, also kannst du das machen. Aber lass mich dir sagen, dass es vieles leichter gemacht hat. Menschen treffen sich gerne persönlich. Aber bevor du nach LA ziehst, um Drehbuchautor zu werden, lerne erst, gut zu schreiben.“

Ist es in Ordnung, kostenlos zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln?

„Ich habe viel ohne Gehalt gearbeitet, aber die kostenlose Arbeit, die ich vor Jahren gemacht habe, war das Erstellen von Notizen und Lesen von Drehbüchern. Triff andere Drehbuchautoren und arbeite mit ihnen zusammen, um besser zu werden. Verstehe das Gebiet, über das du redest. Aber wenn du für etwas bezahlt wirst, gibt es ein gewisses Maß an Respekt. Kenne deinen Wert.“

Was war der größte Fehler, den du gemacht hast, während du in Hollywood groß rausgekommen bist, und wie können wir daraus lernen?

„Sei nicht überheblich. Sei partnerschaftlich. Mach die Zusammenarbeit mit dir angenehm. Sei offen. Anstatt das Motto zu haben: „Ich bin ein verrücktes Genie.“ Wenn du Autor sein willst, musst du deine Schlachten kennen. Das, was auf den Seiten steht, kommt selten aus dem Schneidraum wieder raus. Als ‚Point Blank‘ in Cincinnati gedreht werden sollte, gab es nicht die Drehorte, die wir wollten. Also hatten wir ein Problem. Wir mussten die Drehorte ändern, aber sie waren wichtig für die Geschichte. Als Autor hätte ich sagen können: „Nein, das ist die Geschichte“, aber das habe ich nicht, weil die Arbeit mit mir angenehm sein soll. Was HABEN wir? Wie können wir dafür sorgen, dass es funktioniert? Es wird NIE das, was du im Kopf hast.“

Findest du es leichter, originalen Inhalt oder Adaptionen zu schreiben?

„Ich habe festgestellt, dass es schwieriger für mich ist, anderes Quellenmaterial zu adaptieren. Nehmen wir zum Beispiel ‚The Raid‘. Warum sollte ich etwas damit machen? Das hat Kultstatus. Und die Antwort auf die Frage war, dass es etwas sehr, sehr Cooles gab, das im Original gefehlt hat. Also die Sache, die eine mächtig oder universelle Wahrheit ist, zu finden, ist der richtige Weg.“

Wie sieht deine tägliche Routine aus, wenn du schreibst?

„Viel Kaffee. Intermettierendes Fasten. Ich bin sogar besser in Form, wenn ich schreibe. Ich habe festgestellt, dass die Energie hilfreich ist. Essen von neun bis fünf, den ganzen Tag Kaffee und viel Laufen und Diktieren. Wenn ich schreibe, höre ich mir nichts mit Text an. Also höre ich Instrumentalmusik - House, Trance, Jazz, Country, es hängt vom Tempo des Stücks ab.“

Wir sind so dankbar für Drehbuchautoren, die anderen Drehbuchautoren helfen! Danke, Adam, dass du unsere Fragen beantwortet hast. Und jetzt lasst uns loslegen.

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